Andere Familienmitglieder

Maya Mayr-Melnhof        1927 - 2010

 

Tante Henriettes älteste Tochter Maya war in vielerlei Hinsicht eine besondere Person.  Sie lebte in einer Welt, die es nicht mehr gibt.  Für sie war alles Freundlichkeit und Mitgefühl.  Vor allem die Empathie, die sie gegenüber all den Menschen zeigte, die sie traf.

 

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Die Worte, die ihr Sohn Georg bei ihrer Beerdigung gesprochen hat, erzählen eine wunderbare Geschichte:

 

Begräbnisrede von Ihrem Sohn Georg Mayr Melnhof

Sehr verehrter, lieber Herr Erzbischof, verehrte Freunde im Priesterlichen & Diakonalen Dienst,

Lieber Papi, Liebe Geschwister, Schwägerinnen und Schwäger,

Liebe Enkel und Urenkel mit euren Familien,

Verehrte Vertreter der verschiedenen Christlichen Kirchen, des Öffentlichen Lebens, diverser Vereine und Abordnungen. Liebe große Trauerfamilie - und da fühlt euch bitte alle eingeschlossen, auch diejenigen, die ich namentlich jetzt nicht begrüßt habe.

Lieber Herr Erzbischof, nachdem sie in ihrer Predigt schon so viel über das Leben von der Mami ausgeführt haben, erlaube ich mir, 2 Aspekte, 2 ganz beeindruckende Seiten ihres Lebens noch ein wenig intensiver zu beleuchten.

Zum Einen: Sie war eine MUTTER! Sie war eine wirkliche MUTTER. Sie war Mutter nicht nur dem Papier nach, dem Titel oder dem Berufe nach, sondern sie war Mutter bis in die tiefste Faser ihres Herzens und ihres ganzen Lebens. Das war ihre Urberufung, ihr großes Charisma und ihre ganze Erfüllung.

Sie war MUTTER in allen schönen Stunden und in allen schweren Momenten des Lebens. MUTTER zunächst für uns 10 Kinder. ZEHN Kinder!!!!! Das muss ich so betonen, weil ich der Neunte bin und das so zu schätzen weiß, dass ich überhaupt leben darf. ZEHN Kinder.

Diese Tatsache alleine lässt uns schon von ihrer Ganzhingabe und Heiligkeit etwas erahnen. Der Mami war die Gabe geschenkt, immer da zu sein, immer ein offenes Ohr und Herz zu haben, ein Wort des Trostes, der Ermutigung und auch der Corectio - wenn notwendig - war immer auf ihren Lippen.

Sie wusste ALLES, wirklich ALLES was ihre Kinder betraf. Die Quellen, aus denen die Mami ihre Informationen bezog konnte man oft nicht festmachen, es war nicht selten ein bissl unheimlich, dass sie tiefste Herzensangelegenheiten schon beim Namen nannte und ansprach, bevor man sich selber dessen bewusst war.

Kein Liebeskummer, kein kleiner Blechschaden, kein Fünfer in der Schule (und davon gab es mehr als reichlich bei allen meinen Geschwistern und mir), nichts, absolut nichts blieb ihr verborgen - warum? Weil sie eine MUTTER war!

Kein Geburtstag, Namenstag, Hochzeitstag, kein Nikolo, Osterhase oder Weihnachten verging, ohne das nicht der erste Anruf in der Früh der von der Mami war, ein Packerl mit einer Karte mit ganz besonderen Zeilen folgte in den Stunden danach.

Dies wird uns vielleicht am allermeisten fehlen .......

Der Schreibtisch von der Mami war die eigentliche Kommandozentrale bei uns hier in Glanegg. Nach außen ganz unscheinbar, nach innen aber sehr effektiv. Jeder von uns wusste, wenn man etwas wollte, ob unaufregend oder wichtig, man musste zunächst die Mami für sich und seine Idee gewinnen. Alles Andere erledigte sich von selber. Kurze Zeit später hörte man aus dem Mund vom Papi: "Die Mami und ich haben beschlossen ...... "

Sie war immer die, die im Hintergrund die Fäden zog, alles abwog, überdachte, betete und dann mit dem Papi abstimmte. In ihrer großen Bescheidenheit war ihr der 2te Platz immer viel lieber als der erste.

Die Mami war keine Frau für Blitzlicht, Presse oder Fernsehen. Ihr Platz wo sie wirklich zuhause war, waren die Herzen ihrer Kinder, ihrer Familie und unzähliger Menschen, für die sie sich engagierte.

Eine Begegnung mit der Mami war für ganz Viele Menschen ein oft unvergessliches Erlebnis. Sie hatte da ein ganz spezielles Charisma und eine Gabe, die ihr von Gott geschenkt wurde.

Ihr großes Mutterherz war für niemanden zu klein: Papi, Kinder, Betrieb und an ihre unzähligen Engagements.

Kam ein Kind auf die Welt, die Mami war die erste, die eintraf. Hatte jemand einen Unfall oder eine Krankheit, die Mami war immer unter den Ersten, die am Krankenbett erschien, mit den Ärzten Kontakt aufnahm, verhandelte und sich einsetzte. Ging es bei jemand dem Ende zu, die Mami saß an seiner/ihrer Seite, Tröstete die Trauernden und freute sich mit den Fröhlichen.

Was für eine faszinierende Frau tragen wir da heute zu Grabe?

Eine zweite Seite möchte ich noch kurz beleuchten:

Sie war eine Frau an der Seite Jesu - sie IST eine Frau an der Seite Jesu. Ihr tiefer inniger Glaube und ihre faszinierende Spiritualität waren die Urquelle ihres Lebens und ihres Wirkens.

Die Mami lebte aus der Eucharistie und aus den Sakramenten der Kirche, sie lebte aus der Liturgie, dem Lobpreis vor allem der Ostkirche und aus dem Wort Gottes.

Tief beeindruckend war ihre Liebe für den Gekreuzigten Christus. Oft sagte sie mir: Georg, das Kreuz zu tragen alleine ist zu wenig, wir müssen es auch umarmen.

Die Mami selber, als sie ihr Sterbebild zusammenbastelte, wählte auf der Rückseite unter der abgebildeten Reliquienmonstranz den Spruch: Gott segnet unser Tun, aber er segnet immer durch das Kreuz.

Viele von Euch wissen, dass das Herz von der Mami sehr sehr laut für die Ostkirche schlug. Ihre vielen Reisen, an ihrer Seite lieber Herr Erzbischof, an der Seite ihres Vorgängers oder auch an der Seite von Kardinal Christoph gehörten gewiss zu den Höhepunkten ihres Lebens.

Ihr großes Herzens- und Gebetsanliegen - die Einheit innerhalb der Christlichen Kirchen, die Einheit im ganzen Leib Christi darf sie nun schon direkt von dem Thron des Vaters tragen. Unsere Kapelle hier in Glanegg war einer die Lieblingsorte für die Mami. Ganz oft fand man sie hier, in der Stille, im Gebet, in der Betrachtung.

Ihr ganzes Herz war ausgerichtet auf Christus und auf das Ewige Leben.

Als die Mami vor genau 3 Monaten den Befund bekam, dass ihre Zeit hier auf Erden sehr absehbar ist, sagte sie zu mir: Georg, was für eine große Gnade! Ich dachte im ersten Moment, sie falsch verstanden zu haben, aber nochmals erklärte sie mir mit ganz frohem Herzen, das sie es als große Gnade empfinde, am Horizont ihres so erfüllten und schönen, langen Lebens einen Wink zu bekommen, dass die Zeit der Vorbereitung für die letzte, die wichtigste Reise begonnen hat.

Und so begann die Mami alles vorzubereiten: sich selber, den Papi, uns Kinder und Viele von Euch.

Diesen heutigen Tag, ihr eigenes Sterbebild, die Aufbahrung in der Kapelle - alles hat sie bis ins Detail durchdacht, aber mit der für sie typischen Bescheidenheit.

Sie wagte nicht daran zu denken, dass sie lieber Herr Erzbischof dieser Feier vorstehen werden, sie ahnte nicht, wie viele Priester heute anwesend sein werden, sie hätte nie daran gedacht, dass der ganze Maierhof an diesem heutigen Tag voll sein wird.

Die letzten Tage und Stunden bei und mit der Mami waren unvergesslich und tief beeindruckend für alle, die dabei sein durften. Ihr Zimmer war erfüllt von Lobpreis, Gebet und einem himmlischen Frieden. Am Sonntag, den l. August um 3.30 Uhr in der Früh hatte die Mami ihren letzten Atemzug und ihre Seele wurde in die Herrlichkeit Gottes hineingeboren.

Es war die Stunde der Auferstehung des Herrn, am ersten Tag der Woche, in aller Frühe.

Es war der erste Tag im Monat August. Dem Monat, in dem wir der Himmelfahrt Mariens gedenken.

Hätte man einen schöneren Termin wählen können?

Verehrte Trauergemeinde, liebe Freunde: ich schließe mit einer Bitte im Namen von der Mami:

In ihrem Brief an uns Kinder - sie dürfte ihn vor 2 Wochen geschrieben haben, bittet sie uns innig für ihre Seele zu beten. Sie bittet uns darum Hl. Messen für sie lesen zu lassen. Diese Bitte richte ich an euch alle - wenn ihr der Mami ein Danke sagen wollt, dann geht zu Hause in eure Heimatpfarre und lasst eine Hl. Messe für sie lesen. Das ist das wertvollste und auch effektivste Geschenk, dass jeder von euch der Mami in dieser Stunde machen kann.

Und zögert nicht, die Mami in euren Anliegen, mit der Bitte um ihre Fürsprache einzuspannen und anzurufen.

Viele von uns glauben womöglich, dass ein Heiliger jemand ist, der völlig unerreichbar, unnahbar und losgelöst in anderen Sphären irgendwann einmal lebte. Aber so ist es gewiss nicht. Ich bin sicher, dass auch in unserer Mitte Heilige Männer und Frauen leben, die dem Herrn mit ungeteiltem Herzen und leidenschaftlicher Liebe nachfolgen.

Die Mami war ganz gewiss eine Frau, deren ganzes Leben zu 100% auf Christus ausgerichtet war. Schauen wir heute auf die Früchte des Baumes, auf die Früchte ihres Lebens, so möchte ich mit einem Ausspruch von Bischof Manfred Scheuer, dies war das Ende seiner Predigt bei Mamis 80zigstem Geburtstag sagen: Wenn ich auf ihr ganzes Leben schaue, dann muss ich sagen: Hinter Ihnen blüht es ganz gewaltig.

An den Früchten erkennt man den Baum, sagt Jesus.

Am 8.April 2005 durfte ich in Rom am Petersplatz bei der Beerdigung von Papst Johannes Paul II dabei sein. Einer der bewegendsten Momente für mich war der Augenblick am Ende der Hl. Messe, als immer mehr Menschen Transparente auszurollen begannen, mit der Aufschrift:

Santo Subito! Man möge ihn schnell Heilig sprechen.

Keine Angst, ich werde jetzt kein Transparent mit dieser Aufschrift ausrollen, aber ich möchte euch abschließend zurufen: Da hat eine beeindruckende Frau, eine Mutter, eine Jüngerin Jesu, vielleicht eine kleine Heilige in unserer Mitte gelebt.

Lieber Herr Erzbischof, wenn am Grab von der Mami in den kommenden Wochen und Monaten immer mehr Gebetserhöhrungen eintreffen, Zeichen und Wunder festzustellen sind, dann werd ich mich wieder bei Ihnen melden.

Möge die wunderschöne Seele von der Mami die unermesslichen Freuden des Himmels JETZT genießen dürfen.

 

 


 

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